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Geschichte unseres OGV

1971 - Chronik des Obst- und Gartenbauvereines Ilvesheim

Der Chronist berichtet

Es ist nicht ganz einfach, eine Chronik abzufassen, wenn keine Aufzeichnungen vorhanden sind, die über vergangene Tage berichten. So hat der Chronist, um zum Ziele zu kommen, umfragen und nachforschen müssen bei denen, die von vergangenen Tagen noch etwas wissen. Zug um Zug ist Vergangenes wieder lebendig geworden und liegt nunmehr vor uns da.

In den zwanziger Jahren ist der Verein begründet worden. Das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt, auch wer die Gründungsmitglieder waren. Da die Inflationszeit, die alle Entfaltungen hemmte, bis zum Ende des Jahres 1923 dauerte, ist nicht anzunehmen, dass der Verein zu dieser Zeit bereits bestand. Wir dürfen also wohl das Jahr 1925 in etwa als Geburtsjahr ansehen.

Ilvesheim war damals ein bescheidenes Dorf. Die Einwohnerzahl betrug im Jahre 1925 2411 Kopf bei einer Gesamtfläche der Gemarkung von 591 ha. Die Brücke über den Neckar nach Seckenheim wurde erst im Jahre 1927 gebaut. Auch der Neckarkanal war noch nicht vorhanden. Mannheim lag weit entfernt. Die Bevölkerung trieb Ackerbau und Viehzucht. Es war das übliche Handwerk und Gewerbe da, das zu jeder nicht gerade ganz bescheidenen menschlichen Siedlung gehört, einige Schiffer und Fischer, die ihr Brot auf und durch den Neckar verdienten und Taglöhner sowie Fabrikhandwerker, die weite Wege zu ihrem Arbeitsplatz zu verzeichnen hatten. Auch Angestellte und Verwaltungsbeamte gab es. Industrielle Betriebe waren durch die Ziegelei Schäfer und Helwig vertreten. Die Schäfersche Ziegelei versorgte Ilvesheim mit elektrischem Strom. Das war für damalige Zeiten beachtlich. Ilvesheim war nicht reich, keineswegs, aber lebendig war es.

Naheliegend war es also, dass die Einwohner nach Gärten strebten, zumal guter Boden vorhanden ist. Durch Anbau von Obst und Gemüse, sei es für den eigenen Bedarf oder auch zum Verkauf, ließ sich das Einkommen erhöhen. Bekannt war der Ilvesheimer Zwetschgenwald im Neckarvorland, der in guten Jahren 1000 Ztr. u. mehr brachte. Er ist noch vor der Jahrhundertwende angelegt worden. Unser Ehrenmitglied Heinrich Sommer hat dort Anfang des Jahrhunderts wiederholt den Schnitt der Bäume durchgeführt. Im Jahre 1940 hat man zwischen dem Mühlenanwesen und dem Kanal einen neuen Zwetschgenwald angelegt, von dem noch Restbestände vorhanden sind. Naheliegend war es, dass sich Besitzer von Gärten und Obstanlagen zusammen fanden zwecks Gründung eines Vereines zur Pflege und Förderung des Gartenbaues.

So ist es gewesen um die Mitte der zwanziger Jahre. Seit dieser Zeit ist der Obst- und Gartenbauverein Ilvesheim da. Die Bauernschaft war in ihm stark vertreten. Der erste Vorstand des Vereines war Bernhard Zeh. Von den Mitgliedern der ersten Jahre sind noch unsere Ehrenmitglieder Heinrich Sommer und Adam Weber unter uns. Die Familie Karl Schweitzer, die am damaligen Mühlenbach eine schöne Apfelanlage hatte, ist seit kurzer Zeit bereits in der dritten Generation Vereinsmitglied.

Ende der zwanziger Jahre betrug die Mitgliederzahl etwa 50. Die Verbindung zum Bezirksverein in Ladenburg bestand bereits um diese Zeit. Aus der Zusammenarbeit der Obstbaufreunde in den betreffenden Gemeinden des Landkreises Mannheim war dieser einmal entstanden. Bernhard Zeh war ein kleiner König in seinem Verein. Er regierte ohne Regierung ganz allein. Das ist vom Chronisten nicht etwa bös gemeint, eher eine Anerkennung. Auch heut, nachdem wir Jahrzehnte als Demokraten leben, klappt die Demokratie längst nicht überall. Es ist auch immer noch besser, wenn ein König da ist, der sein Amt ernst nimmt und arbeitet, als wenn eine demokratisch gewählte mehrköpfige Spitze da ist, die nichts vorantreibt. Bedauerlich ist, dass keinerlei Protokollbücher aus dieser Zeit bestehen. seit dem Jahre 1952 sind Protokolle da. Bernhard Zeh wurde im Kriege 1943 durch den Splitter einer Bombe, die in Ilvesheim niederging, tödlich verletzt. Die Arbeit des Vereines, durch den Krieg schon beeinträchtigt, wurde von Kätchen Weber, der Gattin unseres Ehrenmitgliedes Adam Weber weitergeführt, bis beim Kriegsende zunächst alles zum Erliegen kam.

Der Krieg war beendet. Es war kein Sieg, von dem man zu Beginn träumte. Millionen Tote und Krüppel, verbrannte und ausgebombte Städte. Besatzungsmächte im Lande. Unser Volksvermögen war dahin. Man fahndete nach den Schuldigen. Hunger, Not, Vertreibung in unvorstellbarem Maße ringsum. Nur ausgelöscht war unser Volk nicht. Überall begann es sich nach und nach zu regen. Mit den oft primitivsten Mitteln gingen die Menschen daran, das Leben neu zu gestalten. Auch der Obst- und Gartenbauverein wurde zu neuem Leben erweckt. Adam Steigleder hatte vom Rathaus den Auftrag erhalten, den Verein neu zu begründen. Träger eines solchen Auftrages konnte nur sein, wer nicht irgendwie mit Hitler und einem seiner Verbände Bindungen, waren sie auch noch so unbedeutend, eingegangen war.

Die Chronik könnte hier abgeschlossen werden. Nur für die ersten Jahre nach dem Krieg fehlten die Protokolle. Einige Hinweise über die weitere Entwicklung sind jedoch zweckmäßig. Der Verein war also wieder da. Der Mitgliederzugang war nicht schlecht. Die erste Zahl, die zur Verfügung steht, verzeichnet für 1954 87 Mitglieder.

Wie in der Gründungszeit waren die Menschen darauf aus, vor allem in den ersten Nachkriegsjahren, durch ihren Garten etwas die Lebenshaltung zu verbessern. Je mehr das Kriegsende jedoch zurück lag, umso weniger bestand hierzu die Notwendigkeit. Die tragende Idee war überholt; der Verein begann zu stagnieren und rückläufig zu werden. Adam Steigleder war auch langsam alt geworden. Trotz vorgeschrittenem Alter schnitt er noch Obstbäume und mancher war froh darum. Andererseits konnte er die Leute nicht halten. Die älteste Mitgliederliste, die vorhanden ist und aus dieser Zeit stammt, zählt 60 Mitglieder. 1959 wurde er dann durch Adam Feuerstein abgelöst. Dieser war bis 1962, kommissarisch sogar bis 1963, im Amt. Trotz aller Bemühungen blieb der Verein rückläufig. Nachdem 1962 die Vorstandswahl ergebnislos geblieben war, wurde 1963 Karl Schmitt Vorstand. Er war jung; von Beruf war er Gärtner. Man hoffte erneut, der Verein würde sich beleben. Aber bereits 1964 verzog er nach Neckarau. Nachdem er dann unmittelbar darauf einen Unfall erlitt, trat er 1965 zurück. Wieder stand die Vorstandswahl auf dem Programm. Ein so rascher Wechsel im Vorstand ist für einen Verein abträglich. Als der Chronist dann 1965 den Vorstandsposten übernahm, war es wirklich schlecht um den Verein bestellt. Aber mit der Dorfverschönerung war die neue tragende Idee gekommen. Der Verein zählt heute 115 Mitglieder und die Abschlussveranstaltungen von "Unser Dorf soll schöner werden" füllen die Mehrzweckhalle, nachdem der "Kronensaal" nicht mehr reichte.

Eine erfreuliche Anerkennung fand der Verein anlässlich der 1200-Jahrfeier der Gemeinde. Aus diesem Anlass erhielt er neben einem anerkennenden Schreiben von Herrn Heinrich Vetter einen ansehnlichen Betrag. Einen zweiten Geldbetrag als Anerkennung für unsere Dorfverschönerungsarbeit stiftete der Landrat, als von dieser Seite im Jahre 1969 zum ersten Male die Dorfverschönerung honoriert wurde.

Das ist das Ende unserer Chronik. Neue Jahre werden kommen; die Alten werden, wie es des Lebens Lauf ist, gehen. Hoffen wir, dass mehr als bisher, die Jungen zu uns finden. Gärten mit Blumen, Obst und Gemüse sind etwas Schönes. Das einmal Begonnene muss weitergeführt werden.

Sei dem so.

Ilvesheim, Frühling 1971


1250 Jahrfeier der Gemeinde Ilvesheim im Jahre 2016
Vereinsgeschichte des Obst- u. Gartenbauvereins 1925 Ilvesheim

Die Geschichte des Obst- u. Gartenbauvereins 1925 Ilvesheim beginnt eigentlich schon am 16. Januar 1921, als der Ilvesheimer Bernhard Zeh zusammen mit Interessierten aus den Umlandgemeinden den Bezirks-Obst- und Gartenbauverein in Ladenburg begründete.

Nach dem ab dem 08. März 1925 geführten Protokollbuch bestand in Ilvesheim seit 1925 der Obst- und Gartenbauverein 1925 Ilvesheim, der von Bernhard Zeh geführt wurde.

Geprägt von den damals herrschenden Nachkriegs- und Inflationsverhältnissen war das Vereinsinteresse zum einen auf die Vermarktung des auf vorhandenen Streuobstwiesen anfallenden Obstertrages gerichtet. Ein Gebot der Not war auch die Unterweisung der Besitzer von Gartenflächen für den Obst- und Gemüseanbau. Bernhard Zeh führte den Verein bis zu seinem tragischen Tod durch einen Bombensplitter im Jahre 1943.

Nach einer Interimszeit führte ab 1952 Adam Steigleder den Verein bis 1959.

Von 1959 bis 1963 führte Adam Feuerstein und danach im Jahre 1964 Karl Schmitt den Verein.

1964 wurden die Bürger in Ilvesheim erstmals vom Obst- und Gartenbauverein zur Aktion „Unser Dorf soll schöner werden" aufgerufen. Ein Aufruf an die Bürger zur Dorfverschönerung. Auch 2014, im 50. Jahre nach Beginn der Aktion folgen noch viele Ilvesheimer diesem jährlichen Aufruf.

Von Anfang an maßgeblich beteiligt an dieser Aktion der Dorfverschönerung war Hermann Voß, der ab dem Jahre 1965 den Obst- und Gartenbauverein leitete und der bereits seit 1952 im Verein tätig war. Zu dieser Zeit hatte der Verein 59 Mitglieder Beim 50-jährigen Vereinsjubiläum im Jahre 1975 hatte der Verein bereits 125 Mitglieder. Gartenfreund Max Hermann wurde 1975 als Mitglied der ersten Stunde für seine 50-jährige Mitgliedschaft im Verein ausgezeichnet.

Nach 15-jähriger Vorstandstätigkeit übergab Hermann Voß im Jahre 1980 den Vorsitz an Erich Zimmermann, der den Verein bis ins Jahr 2002 führte. Die Mitgliederzahl war auf über 200 angewachsen.

Ab dem Jahre 2002 führte Walter Schmitthäuser den Verein bis zum Jahre 2004.

Ab 2005 ist Dieter Bühler Vorstand des Obst- und Gartenbauvereins 1925 Ilvesheim.

Neben der Aktion der Dorfverschönerung ist Hauptinteresse des Vereins die Unterrichtung aller am Obst- und Gartenbau interessierten Bürger der Gemeinde Ilvesheim durch Abhalten von Schnittkursen und Vorträgen über Anbau und Pflege im Obst- und Gartenbau, wozu auch und besonders Nichtmitglieder eingeladen sind.



Obst- und Gartenbauverein
1925 Ilvesheim

Deidesheimerstr. 6
68549 Ilvesheim

Tel. +49 (0)621-494829
www.ogv-ilvesheim.de
info@ogv-ilvesheim.de

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